Heute muss ich mal ein Thema ansprechen, das mir immer wieder in den E-Mails begegnet und das auch im Freundeskreis ständig aufploppt. Stellt euch vor: Ihr sitzt gemütlich beim Abendessen, euer Kleiner oder die Kleine kommt frisch gebadet aus der Wanne, ihr wollt Zehennägel schneiden und – Schreck lass nach – da ist es. Ein Hubbel. Oder gleich eine ganze Kolonie von Hubbeln.
Warzen bei Kindern.
Der erste Impuls? Panik. „Oh Gott, darf er jetzt noch zum Schwimmunterricht?“, „Ist das gefährlich?“ und vor allem: „Wie kriegen wir das weg, ohne dass mein Kind mich hasst, weil es weh tut?“
Ich habe zwar selbst (noch) keine Kids, aber ich bin der offizielle „Warzen-Onkel“ für meine Nichten und Neffen geworden. Und ich sage euch: Bei Kindern gelten ganz andere Regeln als bei uns Erwachsenen. Die „Hau-drauf-Methoden“ (Säure, Eisspray), die ich euch in den letzten Artikeln vorgestellt habe, sind hier oft fehl am Platz.
Warum Kinderhaut anders tickt und welche sanften Methoden wirklich einen Versuch wert sind, das klären wir heute.
Warum kriegen Kinder das eigentlich so oft?
Erstmal zur Beruhigung: Es ist total normal. Das Immunsystem von Kindern ist noch im „Lernmodus“. Es kennt die HPV-Viren (die Warzen auslösen) oder die Pockenviren (bei Dellwarzen) oft noch gar nicht und lässt sie einfach reinspazieren.
Dazu kommt: Kinder hängen ständig aufeinander, tauschen Spielzeug, laufen barfuß in der Turnhalle oder im Schwimmbad. Es ist quasi das Paradies für Warzenviren.
Dellwarzen vs. „Echte“ Warzen – Der wichtige Unterschied
Bevor ihr irgendwas macht, schaut genau hin!
Bei Kindern sind es nämlich super oft gar keine normalen Warzen, sondern Dellwarzen (Molluscum contagiosum).
- Erkennungszeichen: Sie sind glatt, glänzen oft perlmuttartig und haben in der Mitte eine kleine Delle (wie ein Nabel). Sie jucken oft, tun aber nicht weh.
- Warum ist das wichtig? Dellwarzen sind keine Dornwarzen. Sie verschwinden oft von alleine, wenn man dem Immunsystem Zeit gibt.
Die „Keine-Tränen-Strategie“: Meine Top 3 für Kids
Wenn ihr mit einem 6-Jährigen zum Arzt geht und der holt den flüssigen Stickstoff oder den scharfen Löffel raus, ist das Trauma oft vorprogrammiert. Das tut sauweh. Deshalb probieren viele Eltern (und Ärzte!) erstmal sanftere Wege.
Hier ist, was ich in meiner Recherche und Erfahrung als am sinnvollsten empfinde:
1. Thuja – Die Kraft der Natur (Homöopathie)
Ich bin ja eigentlich ein Fan von harten Fakten, aber bei Warzen und Kindern schwören so viele auf Thuja (Lebensbaum), dass man es nicht ignorieren kann.
Es gibt das als Thuja Extern Tinktur zum Draufpinseln oder als Globuli zum Einnehmen.
- Der Vorteil: Es tut absolut null weh. Es brennt nicht.
- Die Anwendung: Morgens und abends die Warze damit betupfen.
- Erfolgsquote: Bei meiner Nichte hat es bei Dellwarzen super funktioniert (nach ca. 4 Wochen waren sie weg). Ob es der Placebo-Effekt war oder die Pflanze? Egal, Hauptsache weg!
2. Der Klebeband-Trick (Duct Tape)
Klingt verrückt, ist aber in Studien sogar untersucht worden.
Ihr klebt einfach ein Stück festes, silbergraues Klebeband (Panzertape) direkt auf die Warze.
- Wie es geht: Das Tape bleibt 6 Tage drauf. Dann abmachen, Warze einweichen, vorsichtig feilen. Nachts offen lassen, am nächsten Morgen neues Tape drauf.
- Warum das hilft? Man glaubt, dass durch die Reizung des Klebers das Immunsystem auf die Stelle aufmerksam gemacht wird und sagt: „Oh, hier stimmt was nicht, Angriff!“Für Kinder ist das super, weil es wie ein „Zauberpflaster“ wirkt.
3. Warzen besprechen (Voodoo oder Wissenschaft?)
Okay, jetzt haltet mich nicht für verrückt. Aber „Warzen besprechen“ ist bei Kindern extrem effektiv.
Warum? Weil die Psyche bei der Warzenheilung eine riesige Rolle spielt. Das Immunsystem lässt sich durch Stress beeinflussen – und auch durch positiven Glauben.
Wenn ihr eurem Kind glaubhaft versichert, dass ihr bei Vollmond einen Zauberspruch aufgesagt habt oder eine Schnecke über die Hand kriechen ließet (bitte die Schnecke danach wieder freilassen!), dann kann das tatsächlich den Heilungsprozess anstoßen.
Es kostet nichts, tut nicht weh und ist ein lustiges Ritual. Probiert es aus! „Warze, Warze, weiche, geh in andere Bereiche…“ oder so ähnlich 😉
Wann ihr definitiv zum Arzt müsst
Bei aller Liebe zu Hausmitteln – es gibt Grenzen. Packt das Kind ein und ab zum Kinderarzt oder Dermatologen, wenn:
- Die Warzen bluten oder sich entzünden (rot und heiß werden).
- Sie sich rasend schnell vermehren.
- Sie an „blöden“ Stellen sitzen (im Gesicht, an den Genitalien oder direkt am Augenlid).
- Das Kind Schmerzen beim Laufen hat (Dornwarzen).
Mein Fazit für entnervte Eltern… 😉
Bleibt cool. Warzen bei Kindern sind meistens eher ein kosmetisches Problem als ein medizinisches Drama.
Übt euch in Geduld. Das Immunsystem des Kindes regelt das oft von alleine – manchmal dauert es aber 6 bis 12 Monate.
Ich würde immer erst die schmerzfreien Methoden (Thuja, Klebeband, Besprechen) probieren, bevor ich mit Säure oder Kälte an die zarte Kinderhaut gehe.
Habt ihr auch so eine „Warzen-Story“ mit euren Kids erlebt? Hat das „Besprechen“ bei euch geklappt oder musstet ihr doch zum Arzt? Erzählt es mir in den Kommentaren, ich bin echt gespannt!